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Ein Drittel der Belegschaft sind Azubis

  • Das Foto zeigt die aktuellen Auszubildenden mit Firmenchef Sebastian Schmäh in der Mitte auf einer Baustelle an einer historischen Mühle vor der Meersburg.

Holzbau-Schmäh hat dieses Jahr so viele Auszubildende wie noch nie Meersburger Zimmereibetrieb kennt keine Nachwuchssorgen

Ausbildung wird bei der Meersburger Firma Holzbau Schmäh seit jeher groß geschrieben. Doch das fast 150 Jahre alte Unternehmen, das Sebastian Schmäh in sechster Generation führt, hatte noch nie so viele Auszubildende wie in diesem Jahr: 14 junge Leute, darunter fünf Frauen, lernen derzeit in dem Vorzeigebetrieb das Zimmererhandwerk. Zwei davon absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr im Denkmalschutz. Das ergibt bei 43 Beschäftigten, inklusive Chef, eine Ausbildungsquote von rund 33 Prozent.

Die Firma, die zu rund 66 Prozent in der Denkmalpflege und zu 34 Prozent im Holzbau tätig ist und bereits etliche Auszeichnungen sowohl für ihre Restaurierungsarbeit als auch ihre Nachwuchsförderung erhalten hat, bekommt mittlerweile Bewerbungen für Ausbildungsplätze aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Öfters sind auch Leute darunter, die vorher bereits etwas ganz anderes gemacht haben, etwa Grafikdesign studiert oder Maßschneiderin gelernt. Sogar einen ehemaligen Studenten der Popakademie in Mannheim hat Holzbau Schmäh schon ausgebildet, der heute als Geselle in der Firma erste eigene Projekte verantwortet.


Inzwischen interessieren sich laut Schmäh auch immer mehr Leute mit einem abgeschlossenen Studium fürs Zimmererhandwerk. Aktuell liegt ihm die Bewerbung einer Bibliothekarin vor.
Schmäh hat mit solchen ungewöhnlichen Einsteigern, die ganz spannende Biografien und Kenntnisse mitbrächten, gute Erfahrungen gemacht. Das habe zum einen mit ihrer Motivation zu tun: „Ihre Triebfeder ist, dass sie das Zimmererhandwerk für einen besonderen Beruf halten.“ Zum anderen wird bei Schmäh aber auch jeder Bewerberin und jeder Bewerber erst eingestellt, wenn das obligatorische Probearbeiten zufriedenstellend verlaufen ist. Schmäh hebt hervor: „Wir haben auch ganz klassische Leute.“ Also den Jungen oder das Mädchen aus der Umgebung, das nach der Mittleren Reife seine Ausbildung macht, darunter manchmal auch Kinder anderer Zimmerer. Schmäh startete seine eigene Laufbahn nach der Realschule einst genauso.


Seit Jahren betont er, dass auch eine Zimmererlehre keine Einbahnstraße sei. So unterstützt er duale Programme wie das Biberacher Modell, das eine Ausbildung bis zum Zimmerermeister und das Studium Projektmanagement / Bauingenieurwesen koppelt. „Planen und ausführen verbinden“ – das sei eine Strategie, ist Schmäh überzeugt, von der letztlich sowohl Architekten als auch Handwerker profitierten, vor allem auch, was eine verständnisvolle Zusammenarbeit angehe. Berufskollegen sähen ungewöhnliche Ausbildungswege eher skeptisch, da deren Absolventen doch anschließend dem Betrieb nicht erhalten blieben, gibt Schmäh ihre Zweifel wieder. Tatsächlich zögen etliche weiter, räumt er ein. „Aber das sind auch Leute, die unseren Betrieb nach außen tragen, ihn in der Welt sichtbar machen und ihm auch wieder neue Bewerber zuführen.“


Im Schnitt bleibe aber ein Viertel der Azubis nach Beendigung ihrer Ausbildung im Betrieb und das reiche voll und ganz für dessen Weiterentwicklung. Anders, als andere Handwerksbetriebe, hat Holzbau Schmäh keine Nachwuchssorgen. Und manchmal kommt auch ein ehemaliger Azubi zurück: So absolviert derzeit ein Student des „Biberacher Modells“, der bei Schmäh Zimmerer gelernt hat, sein Praxissemester nun in seinem alten Ausbildungsbetrieb. Wie alle Azubis ist er einst bei Holzbau Schmäh von Anfang an selbständiges Arbeiten herangeführt worden. „Azubis werden bei uns als volle Mitarbeiter eingesetzt, auch was Verantwortung angeht“, betont Schmäh. So dürfen sie, nach entsprechender Einweisung, etwa eigenständig Dachfenster austauschen oder kleinere Reparaturen ausführen. Und für die Organisation des Azubi-Tags, den die Firma alle zwei Monate durchführt, sind jeweils die Auszubildenden im dritten Lehrjahr zuständig.

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